Ins Offene. Wir und Hölderlin

Film-/Hörspielprojekt zum Hölderlinjubiläum 2020 mit Schüler*innen des Hölderlin Gymnasiums

Link zum Film

Im Rahmen des Hölderlin Jubiläums 2020 entstand aus Texten, Sprachaufnahmen, Videos und Bildern von Schüler*innen des Hölderlin- Gymnasiums der Film „Ins Offene. Wir uns Hölderlin“ zum gleichnamigen Buch (Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2020), den ich produzieren durfte.
Ich bin beeindruckt von der Arbeit der Sechstklässler*innen und stolz Teil des Projekts gewesen zu sein, das in Kooperation mit der Stadt Heidelberg/City of Literature ermöglicht wurde.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei Natalie Dürr, die das Projekt koordinierte.

Heute veröffentlichte das Kulturamt der Stadt Heidelberger den Film und lädt zu einer „digitalen Lesung des Hölderlin-Gymnasiums Heidelberg anlässlich des 250. Geburtstags Friedrich Hölderlins, mit Bildern und Musik zu Friedrich Hölderlins „Ode an Heidelberg“ ein.
Bilder und Texte des Buches werden in Verbindung mit exklusiv für den Film entstandenen Gestaltungselementen vorgetragen und präsentiert: ein digitaler Hörbuch-Film-Mix mit Musik.“

K.S., 8.11.20

Das Ende der Einzelstücke

Applaus, Applaus! Heike Feist und Andreas Nickl begeisterten das Heidelberger Publikum mit ihrer Stückentwicklung „Schöner Scheitern mit Ringelnatz“. Nun räumen wir das Bühnenbild auf, holen die Scheinwerfer aus dem Gebälk und kehren das letzte Konfetti von der Bühne.

Dass diese Vorstellung ursprünglich für die Eröffnung der Heidelberger Theatertage 2020 gedacht war und den Auftakt zum zweiwöchigen Fest des freien Theaters bilden sollte, ist längst vergessen. Vielfach wurde umgeplant, neu kalkuliert, verändert und verkleinert. Mit der biografischen Erzählung von Hans Bötticher, besser bekannt als Joachim Ringelnatz, endeten die EINZELSTÜCKE 2020 abrupt. Die Bühne wird von nun an leer bleiben. Vereinzelte Konfettischnipsel werden weiterhin in den Ritzen sitzen und darauf warten von Schauspieler*innen, Musiker*innen, Kabarettist*innen etc. aus ihrem Versteck gerüttelt zu werden.

Mit den EINZELSTÜCKEN konnten das Team um den Freien Theaterverein Heidelberg e.V. und das Kulturhaus Karlstorbahnhof ihr Theaterfestival in neuartiger Form, zielgerichtet auf die Anforderungen des sicheren Veranstaltungsbetriebs in Pandemiezeiten, erfolgreich an den Start bringen. In enger Absprache mit den Künstler*innen, unterstützt von der Stadt Heidelberg und durch vorbildliches Einhalten der stetig verschärften Hygieneregeln durch das Publikum war es möglich, ausgewählte Soloproduktionen aus Heidelberg, Berlin, St. Vith und Karlsruhe im Saal des Karlstorbahnhofs zu präsentieren. Ein Lichtblick für freie Kulturschaffende und Veranstaltungshäuser, die detaillierte Hygieneregeln ausarbeiteten, unter Kraftanstrengungen kalkulierten und entsprechend auch Gagen neu vereinbarten.

So konnte das Festival am 3. Oktober mit „Heimat Wort“, einer Produktion von Meriam Bousselmi und Miriam Lemdjadi über die Kraft der Poesie eröffnet werden, in deren Mittelpunkt Gedichte der Heidelberger Autorin Hilde Domin stehen. Schon die zweite Veranstaltung im Rahmen der EINZELSTÜCKE führte dem Festivalteam vor Augen, wie schwierig der Veranstaltungsbetrieb im Herbst werden würde. Das kurzfristig angekündigte Beherbergungsverbot überraschte und machte die Anreise des Berliner Schauspielers Winfried Peter Goos unmöglich. Seine Solo „Der Mann ohne Brückenkopf“ musste entfallen. Umso größer war nun die Freude als die Nachrichten des Ensembles des AGORA Theaters in Heidelberg eingingen und die Testergebnisse aller Beteiligten am Mittag des Vorstellungstages schließlich Vorlagen. „Cuts, Pieces and Sounds – Geschichten einer Stimme“ konnte vor dem Heidelberger Publikum am 14. Oktober seine Aufführung feiern. So auch das Gastspiel des marotte Torunee Ensembles aus Karlsruhe. Sebastian Kreutz präsentierte seine von bemerkenswertem Zusammenklang von Schauspiel und Figurentheater getragene Produktion von „Adams Äpfel“. Das Festivalpublikum quittierte diese mit viel Applaus und einen angeregten Nachgespräch. Trotz sozialer Distanz schafften die stets anschließenden Gespräche die Nähe zu den Künstler*innen, die die Theatertage sonst so besonders machen.

Wir bedauern, dass wir das Theater Fletch Bizzel aus Dortmund und die soMermaids aus Berlin nicht mehr bei uns begrüßen dürfen und hoffen auf ein baldiges persönliches Kennenlernen bzw. Wiedersehen hier in Heidelberg. Stellvertretend für die vielen freien Kulturschaffenden wünschen wir euch alles Gute.

Wir möchten allen Künstler*innen, Zuschauer*innen, Techniker*innen und Mitarbeiter*innen für Ihre Kooperation und Professionalität im Umgang mit der schwierigen Situation danken.

Uns allen toi, toi, toi für die nun anstehenden Wochen.

Eure Heidelberger Theatertage

Kai Sauter, 28.10.2020

Infos zu möglichen Nachholterminen unter: https://www.karlstorbahnhof.de/programm/theater/

Klein ganz groß

Einzelstücke 2020 präsentiert von den Heidelberger Theatertagen

Seit 25 Jahren zeigen die Heidelberger Theatertage, was die deutschsprachige Freie Theaterlandschaft zu bieten hat: Freie Theaterensembles aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem deutschsprachigen Ausland haben ihre Arbeiten auf diesem Festival präsentiert. Damit haben sie nicht nur Jahr für Jahr das Publikum begeistert, sondern auch immer wieder neue Formen, Wege, Trends und kreative  Impulse in die heimische Theaterlandschaft getragen.

In diesem Herbst wird es wieder genauso sein – aber auch ganz anders! Theaterabende mit großer Besetzung zu zeigen, ist in diesem Jahr aufgrund der Pandemie-Verordnung auf keiner unserer traditionellen Theatertage-Bühnen möglich. Viele Freie Ensembles und auch die meisten Amateurtheatergruppen können aktuell nicht einmal proben. Die Heidelberger Theatertage, wie wir sie kennen, können unter diesen Bedingungen nicht veranstaltet werden. Und doch ist es uns gerade jetzt umso wichtiger, zu zeigen, was für großartige Theaterkunst dennoch möglich ist. Wie viel kreative Vielfalt und hohe künstlerische wie handwerkliche Qualität die Freie Szene noch in den reduziertesten künstlerischen Formen auf die Bühne bringt.

So ist aus der aktuellen Situation ein spannender Programmschwerpunkt entstanden: Die Heidelberger Theatertage präsentieren Monologe, Einpersonenstücke, Solospiele, die den Publikumsblick voll auf diese eine Person auf der Bühne fokussieren. Ensembles aus Berlin, Dortmund, St. Vieth, Karlsruhe und auch Heidelberg zeigen im Saal des Karlstorbahnhofs in Literatur- und Filmadaptionen, in aktuellen und brisanten Stückentwicklungen und klassischen Monodramen, wahre „Einzelstücke“ des Freien Theaters!

Und auch der Heidelberger Theaterpreis erfährt in diesem Jahr eine Umwidmung, denn ein Pandemiejahr ist kein Jahr für Wettbewerbe. Freischaffende Künstler*innen hat der Shut-Down besonders hart getroffen. Vorstellungen und Gagen entfielen ersatzlos und auch die ersten Lockerungen brachten nur wenig Besserung, denn noch immer fehlen Auftrittsmöglichkeiten und Proben sind nur eingeschränkt möglich.  Das Preisgeld des Heidelberger Theaterpreises wird darum in diesem Jahr paritätisch als Gage an alle auftretenden Künstler*innen ausgezahlt. Ein Novum in der Festivalgeschichte. Und ein Signal des Zusammenhalts, denn der funktioniert auch mit Abstand.

Text: Freier Theaterverein Heidelberg e.V.

Programmübersicht:

Sa 03.10. | Meriam Bousselmi, Berlin & Miriam Lemdjadi, Heidelberg: „Heimat Wort“ von Meriam Bousselmi (Karlstorbahnhof / 20 Uhr)

So 11.10. | Theater Zukunft, Berlin: „Der Mann ohne Brückenkopf“ von Wolfgang Krause Zwieback (Karlstorbahnhof / 19 Uhr)

Mi 14.10. | AGORA Theater, St. Vith (Belgien): „Cuts, Pieces and Sounds – Geschichten einer Stimme“ von Galia De Backer und Felix Ensslin (Karlstorbahnhof / 20 Uhr)

Mi 21.10. | marotte Tournee Ensemble, Karlsruhe: Adams Äpfel nach dem gleichnamigen Film von Anders Thomas Jensen (Karlstorbahnhof/20 Uhr)

Mi 28.10. | Heike Feist und Andreas Nickl, Berlin: „Schöner Scheitern mit Ringelnatz – Ein Theaterabend mit Papierrequisiten und Papierkostümen“ (Karlstorbahnhof/ 20 Uhr)

Fr 06.11. | Theater Fletch Bizzel, Dortmund: „Die Frau, die gegen Türen rannte von Roddy Doyle.“ Für die Bühne bearbeitet von Oliver Reese (Karlstorbahnhof / 20 Uhr)

Fr 13.11. | soMermaids, Berlin: „MUTTER_F*CKING_ERDE & CO.“ von Panni Néder (Karlstorbahnhof / 20 Uhr)

Informationen und Tickets unter: http://www.karlstorbahnhof.de

Von dem Fischer und seiner Frau | Karlstorbahnhof Sommerbühne

Es geht auf die Sommerbühne! Im Rahmen des Familientages präsentiert der Freie Theaterverein Heidelberg e.V. am Sonntag, dem 26. Juli, um 15 Uhr das Märchen „Von dem Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm als szenische Lesung mit Musik.
Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Matthias Paul und Oliver Kuka die kleine Open-Air Bühne auf dem Vorplatz des Karlstorbahnhofs zu betreten und die wundersame Geschichte von dem verwunschenen Butt zu erzählen.

Fischer_und_Seine_Frau_Pressefoto

Photo: Philipp Schlund

„Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einem alten Pisspott dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte, und er angelte und angelte…“

Ja, und eines Tages fängt er einen ganz besonderen Fisch: Einen Butt, der angeblich ein verzauberter Prinz ist und bitte, bitte nicht in die Pfanne sondern zurück ins Meer will. Und dafür darf man sich doch auch wohl etwas von ihm wünschen, oder? Das findet jedenfalls des Fischers Frau. Vielleicht ein schöneres Haus? Mit Gärtchen und Balkon? Oder – nein – vielleicht doch lieber….?

Mit Schwung, Witz und viel Musik bringen die drei Mitglieder des Freien Theatervereins Heidelberg Matthias Paul, Kai Sauter und Oliver Kuka das Grimm’sche Märchen auf die Open-Air-Bühne.

Für Kinder und Familien. Spieldauer ca. 40 Minuten.

Ensemble: Freier Theaterverein Heidelberg e.V.
Musik: Oliver Kuka
Spiel: Matthias Paul und Kai Sauter
Foto: Philipp Schlund

Die Sommerbühne am Karlstorbahnhof ist ein Pop-up Open-Air und eine Gemeinschaftsfläche. Konzerte, Theater, Kabarett, Filme, gute Gespräche, kühle Getränke und wechselnde Foodtrucks unter den Platanen vor dem Karlstorbahnhof. Sonntag ist Familientag. Die Sommerbühne öffnet von 14:00 – 18:00 Uhr ihre Tore und um 15:00 Uhr gibt es jede Woche Programm für Klein und Groß. Dazu Kaffee und Kuchen und die Bio-Eismanufaktur Heidelberg schaut ebenfalls vorbei!

Die Sommerbühne verfügt über bis zu 99 Sitzplätze. Die geltenden Abstandsregeln werden jederzeit eingehalten. Bitte hierzu auch immer die Informationen auf den Aushängen vor Ort beachten!

Weitere Infos zur Veranstaltung unter karlstorbahnhof.de

Theater in Zeiten von Corona: Der Jugendclub der Staatsoper Unter den Linden präsentiert seine Produktion „Homo Deus“ als Hörspiel.

Sphärische Ambient Sounds ziehen uns in die Welt eines neuartigen Menschen der Zukunft, ein elektronischer Ton – Puls in der Blutbahn oder Elektron auf Glasfaser? ­– dringt ins Ohr: Willkommen im Jahre 2345. 8.888.888.888 Menschen, jeweils zu einem Drittel männlich, weiblich und divers, bevölkern den Planeten, so ist es festgelegt. Die Gattung Homo ist in… Theater in Zeiten von Corona: Der Jugendclub der Staatsoper Unter den Linden präsentiert seine Produktion „Homo Deus“ als Hörspiel. weiterlesen

Was ihr Nähe nennt

Woche sieben des Lockdowns. Hallo ihr da draußen –  da drinnen.
Tapfer, weil wir uns der Bedeutung der Maßnahmen bewusst sind, halten wir Abstand, bleiben zu Hause und fühlen, wie das Bedürfnis nach Nähe wächst.

Vor vier Wochen –  nach den ersten zwanzig Tagen, die einem das Szenario erst so richtig begreifbar gemacht hatten –  entstand ein kleiner gecoverter Track zur Nähe auf Distanz. Inspiriert von der Arbeit mit dem Ensemble CL-20, im kreativen Schaffen via Videokonferenz. Dabei wurde gerade diese neue, nötig gewordene Form des Probens zum Ausgangspunkt des Prozesses.
Wie nah können wir uns jetzt sein. Physisch nicht. Aber sonst eben. Gedanklich ist man doch irgendwie den meisten Menschen gerade nah, denn das Gedanken-Cluster „Corona“ tragen wir alle im Kopf?
Und emotional? Was ist denn Nähe überhaupt?

Für mich waren und sind die Skype-, Zoom-, Jitsi-, GotTo- oder Talky-Meetings (die Liste lässt sich noch reichlich ergänzen) enorm wichtig.
Denn ja, auch hier kann man sich nah sein, auch wenn einem mit jeder Woche und jedem Anruf klarer wird, wie fern man sich doch gleichzeitig ist; wenngleich auch nur räumlich, doch das gewinnt an Gewicht.

Nachdem der Song fertiggestellt und auf positives Feedback gestoßen war, hatte ich ihn mit dem Artikel „Über Kulturschaffende, Theater im Stream und Nähe auf Distanz in schwierigen Zeiten (31. März 2020)“ hier veröffentlicht.
Und dann kamen die Ereignisse ins Rollen:

Zunächst erreichte mich eine Sprachnachricht des Musikers Oliver Kuka, in Heidelberg bekannt als Gastgeber der Kultur-Musik-Talk-Reihe „Gaslight Café“ und als Gitarrist in unzähligen Bands.
Wir tauschten uns über den Track aus und nur ein paar Tage später präsentierte er eine neue, mit verschiedenen Gitrrensounds abgemischte Version von „Was ihr Nähe nennt.“

Noch bevor mir Olivers Arbeit vorlag, war schon die nächste Sprachnachricht auf dem Smartphone. Adrienn Bazsó, Schauspielerin aus Berlin, beschrieb ihren Tanz im Park zu demselbigen Lied und präsentierte erste Ideen für ein Video.
Und wieder liefen die Skype-Server heiß.
Ganz viel Nähe und geradezu ein kreativer Schub waren die Folge.
Nun, nach drei Wochen des Ausprobierens, Drehens und Schneidens in der Selbstisolation in Heidelberg und Berlin, ist das Video fertig.
Ein Lied mit Video über die Bedeutung von Nähe auch über Distanzen, entstanden aus und in ebendiesem Rahmen.

Es soll euch etwas Laune machen in diesen schwierigen Zeiten.

K.S.

 

 

 

 

Was ihr Nähe nennt
(nach Bausa: Was du Liebe nennst)

Aufgenommen und gefilmt aus der Quarantäne in Berlin und Heidelberg.

Adrienn Bazsó: Videokonzept, Schauspiel (soMermaids, Berlin)

Kai Sauter: Gesang, Text, Mixing, Schauspiel, Schnitt (Ensemble CL-20, Heidelberg)

Oliver Kuka: Gitarre, Mixing (Tutu Toulouse / Out Of The Box, Heidelberg)

mit Stimmen von Angela Merkel, Claus Kleber, Joko Winterscheidt, Marlene Thöne und Oliver Welke

Über Kulturschaffende, Theater im Stream und Nähe auf Distanz in schwierigen Zeiten

Es geht in die vierte Woche des Stillstands. Mit der Allgemeinverfügung der Stadt Heidelberg vom 13. März 2020 wurde schließlich Klarheit geschaffen und allen Kulturveranstaltern eine offizielle Maßgabe zur Absage ihrer Programmpunkte gegeben, was wichtig und richtig war (siehe auch Statement des Karlstorbahnhofs).

Der abrupte Stopp des kulturellen, öffentlichen Lebens tut weh. Es werden Wochen und vielleicht Monate ohne Konzerte, Filme, Theater, Tanz etc.
Uns fehlen die Orte, die wir sonst ganz selbstverständlich aufsuchen – das Kino ums Eck, den Club, das Theater oder Museum.
Am härtesten trifft es hier all diejenigen Menschen, die sonst diese besonderen Orte mit Programm füllen, alle hinter den Kulissen, aus der Organisation, Presse, Technik, und dem Abendpersonal etc., und diejenigen auf den Bühnen. Letztere, häufig freischaffend, befinden sich in einer besonders schwierigen Situation und es bleibt zu hoffen, dass zügig finanzielle Hilfen geschaffen werden, die unbürokratisch zugänglich sind.

Doch ganz verzichten müssen wir auf kulturelle Angebote nicht. Geradezu herausgefordert zu sein scheinen viele Künstler*innen und Institutionen. Wohnzimmerkonzerte (z.B. Stay Home Sessions des Karlstorbahnhofs), Videos aus der Quarantäne (z.B. So.Mermaids) oder Livekonzerte vor leeren Sitzreihen (z.B. Capitol Mannheim) werden immer häufiger organisiert und erfreuen sich großer Beliebtheit.
Mich beglücken besonders die vielen Streamingangebote aus der Theaterszene. Schon mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen startete das Aktionstheater Ensemble (Wien) sein Online-Angebot. Aufzeichnungen aus der Freien Szene finden sich zudem auf der gerade gestarteten Plattform SPECTYOU (hier finden sich z.B. Henrike Iglesias, Mother T.-Rex, Ballhaus Ost, Dampfzentrale Bern, Theater Rampe, ARGEkultur Salzburg, Rote Fabrik Zürich und Schlachthaus Theater Bern. ). Aber auch große Häuser, wie die Schaubühne Berlin oder das Nationaltheater Mannheim, zeigen Vorstellungen online. Auch Premieren gibt es, wie etwa die Uraufführung von „IMPACT“ der freien Tanzcompany Inter-Actions um Edan Gorlicki am 25. März. Das alles sind fantastische Angebote, die uns die Vielfalt der Szene zeigen und die Ausgangsbeschränkung erträglicher machen. Und doch ist es nicht dasselbe: Theater braucht sein Publikum vor Ort. Im Video gibt es nur einen Teil seiner Rezeptions- und Kommunikationsebenen preis.
Viele Theater brauchen uns aktuell nicht nur in Bezug auf die Wirkung ihrer Produktionen, sondern knallhart zum Überleben. Kommt also den vielen Bitten nach, und behaltet eure bereits erworbenen Tickets.

Auch für jede*n einzelne*n von uns bedeuten die wichtigen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie gravierende Veränderungen des Zusammenlebens. Nähe, die wir als körperlichen Kontakt kennen, ist nur noch bedingt möglich. Das ist seltsam. Und doch mache ich gerade jetzt deutlich die Erfahrung, dass das eben nur ein Weg ist, wie sich Nähe zeigt. Gerade das sich Nahsein auf Distanz ist jetzt enorm wichtig. Das Telefonieren, Chatten und Skypen. Kontakt halten, sich austauschen, Erlebnisse teilen. Zu manchen Personen entwickelt sich so wieder eine Nähe, die im altbekannten Alltag vorher nicht zu finden war.
Auch hier ist das Theater enorm wichtig für mich. Die gemeinsame Arbeit –  auch über weite räumliche Distanz – an neuen Projekten mit dem Ensemble CL-20 ist eine wichtige Stütze in diesen Zeiten.
Mit gemeinschaftlicher Kreativität, Diskussion, Vertrauen und dem Blick voraus auf die Umsetzung neuer Ideen wird Nähe geschaffen, deren Bedeutung gerade jetzt noch spürbarer wird.
So ist beispielsweise diese kleine Aufmunterungen entstanden, ein Cover (mit neuem Text), das ich am 29. März aufgenommen habe. Viel Spaß!



"Was ihr Nähe nennt", nach Bausa: "Was du Liebe nennst".
Aktualisierte Version vom 7.4.2020 mit Oliver Kuka an der Gitarre.
Download für private Zwecke gestattet.

Bleibt gesund und zuversichtlich, denkt an eure Nächsten und unterstützt eure lokalen Kulturschaffenden.

K.S.

 

 

Durch den Schneesturm zum ScienceSlam

19. Heidelberger ScienceSlam im ausverkauften Karlstorbahnhof

Das wurde Zeit! Endlich wieder ScienceSlam in Heidelberg. Ein Jahr lag meine letzte Moderation auf der Bühne des Karlstorbahnhof schon zurück und die Begrüßung durch das fantastische Heidelberger Publikum war so herzlich wie eh und je!

Dabei galt es für jede*n im ausverkauften Saal, sich den Weg zum 19. Heidelberger ScienceSlam durch Sturm und Schneefall zu erkämpfen. So kalt und ungemütlich es draußen am Neckar war, so heiß und angenehm war es im Inneren des Kulturhauses. Was Wetter und Publikum einte, war einzig die Energie, die sich draußen durch Sturm und drinnen durch wilde Laola-Wellen, Lachkrämpfe und Applaus über der Skala unseres Applausometers äußerte.

Mit Toxikologin Linn, Atomphysikerin Lisa, Informatiker Jonas und Politikwissenschaftler Jonas bot sich dem interessierten Publikum ein abwechslungsreiches LineUp im Kampf um die goldenen Handschuhe.
Eröffnet wurde der Abend durch den Pharmakologen Prof. Dr. Spanagel und einem spannenden Vortrag über Psychedelika.

Alles in allem ein perfekter Abend, gute Stimmung, viel Wissenswertes, spannende Gespräche und tolle Menschen. Danke an alle Slammer*innen, das Publikum, Caro von LUUPS und das Team des Karlstorbahnhofs.

Auf bald!
K.S.

19. Heidelberger Science Slam_219. Heidelberger ScienceSlam_3

 science-slam.com | Caro Wenzel

UNDINE im Kino – Uraufführung

Undine – Die Geschichte eines Wassergeists

Uraufführung in Anwesenheit von Darstellern und Regie.

Dienstag, 4. Februar, 19.00 Uhr – Luxor Filmpalast | Tickets

Undine heißt der eben fertiggestellte neunte Spielfilm, den die aus Schülern, Studenten und jungen Erwachsenen bestehende a.u.f. – Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Filmemacher – um den Wieslocher  Klaus Klingenfuss in  Sommer 2019 in und um Wiesloch gedreht hat. Es ist eine uralte Geschichte, in deren Mittelpunkt die (buchstäblich) unsterbliche Liebe der Wasserjungfrau Undine zum schönen Grafen Alvaro steht. Das Motiv stammt bereits aus der Antike­. Aber erst in der europäischen Romantik sind Märchen, Erzählungen, eine Oper und natürlich auch Ballettchoreographien  um die unglückliche Liebe dieses Wasserwesens zu einem Menschen entstanden. Am berühmtesten ist zweifellos Hans Christian Andersens Märchen von der „Kleinen Meerjungfrau“. In ihm gibt besagte Meerjungfrau ihre Stimme preis. Sie erwirbt Beine um den Preis  messerscharfer Schmerzen. Zu alledem ist sie bereit, um dem geliebten Prinzen folgen zu können. Was dieser Prinz nicht weiß: Sie hat ihm außerdem  das Leben gerettet. Die Liebe zwischen den Beiden hat – wie  schon jedes Kind weiß – keinen Bestand: Der Prinz geht bei einem Schiffbruch zugrunde und die kleine Meerjungfrau löst sich als Schaum in den Meereswellen auf.

Der neue Film der a.u.f. spielt selbstverständlich nicht am Meer. Er trägt sich am und im Rhein zu, an den Seen  und in den Wäldern unserer Heimat. Auch er ist ein Märchen, freilich ein Märchen für Erwachsene.­ Das jugendliche Team um Klaus Klingenfuss  erzählt die Geschichte einer  unmöglichen Liebe – unmöglich nicht, weil sie sich zwischen einem Wasserwesen und einem Menschen zuträgt, sondern weil Undine kein Ende ihrer Liebe kennt und damit Alvaro überfordert. Freilich erkennt Alvaro am Ende der Geschichte: „Da wären wir! Eines Tages ziehen sie davon. Genau an dem Tag, an dem man endlich sieht, dass man nie eine andere geliebt hat, dass man sterben wird, sobald sie uns verlassen, genau an dem Tag ziehen sie davon.“  Alvaro begreift, was Liebe tatsächlich ist. Aber es ist zu spät. Warum? Dazu bedarf es einiger Bemerkungen zum Inhalt des Films.

Undine ist als Baby vom Fischer Mathias am Strand des Sees gefunden worden, aus dem er seinen Lebensunterhalt bezieht. Um dieses Kind ist eine besondere Kraft. Bald ist offenbar, dass es kein gewöhnlicher Mensch ist.­ In einer Sturmnacht kehrt der im Wald verirrte Graf Alvaro bei den Fischersleuten ein. Die inzwischen fünfzehn Jahre alte Undine hat ihn kaum erblickt, als sie sich in ihn  verliebt. Alvaro ist mit der Gräfin Sarah verlobt. Aber er kann dem Charme dieses Zauberwesens nicht widerstehen. Er erbittet sie von den Fischersleuten – Undines Pflegeeltern – zur Gattin, nimmt sie mit an den Hof, heiratet sie, begegnet am Hof aber auch seiner Verlobten Sarah wieder.

Undines  ungewöhnliche, nicht ins höfische Milieu passende Persönlichkeit wird für Alvaro zum Problem. Im Gespräch zwischen der Königin und Undine  – dem Mittelpunkt des Films – bringt es die Königin auf den Punkt:  „Und Alvaro? … Alles Weite in dir liebt er nur, weil es ihm klein erscheint. Du bist die Helligkeit. Er liebt eine Brünette. Du bist die Anmut. Er liebt einen Kobold. Du bist das Abenteuer. Er liebt die banale Abwechslung. Sobald er seinen Irrtum bemerken wird, lierst du ihn.“ Und so geschieht es. Alvaro fühlt sich erneut zu Sarah hingezogen. Undine, die seinerzeit von ihrem Onkel, dem Wasserkönig, zu einem Pakt gezwungen worden war – Alvaro müsse sterben, falls er Undine betrüge – tut so, als habe sie ihrerseits Alvaro betrogen und flieht. Damit will sie Alvaros drohenden Tod verhindern. Der Wasserkönig durchschaut ihren Versuch. Alvaros Schicksal ist besiegelt. Noch einmal treffen sich Alvaro und Undine im Park von Alvaros Schloss. In der Schlosskapelle erwartet Sarah den Geliebten zur Hochzeit. Doch dieser hat erkannt, dass allein Undine die Frau seines Lebens hätte sein können. Aber es ist zu spät. Der Pakt verlangt den Tod des Ehebrechers. Er wird sterben, während Undine ihr Gedächtnis verliert: „Wenn sich sonst zwei Liebende im Angesicht des Todes trennten, wussten sie, dass sie sich wieder sehen im künftigen Leben. Aber Undine und ich ziehen die Segel für immer nach getrennten Küsten auf. Und ihr Ziel ist Vergessen, meins das Nichts.“ …

(Pressetext: Klaus Klingenfuss)

Zweitvorstellung: Donnerstag,14.5., 19.00 Uhr – Luxor-Filmpalast

RNZ-Artikel vom 28.10.2019 zum Filmprojekt

Lange Nacht der Rampensau 2019

Großes Theaterfest! Bereits zum dritten Mal haben wir die Lange Nacht der Rampensau im Theater im Romanischen Keller gefeiert, unsere bunte Bühnenschau im Rahmen der Heidelberger Theatertage.
Das mit Tanz, Zauberei, Poesie und Musik gespickte Bühnenprogramm wusste zu begeistern. Besonders für mich war an diesem Abend das Wiedersehen mit einigen Gesichtern, die mich über Jahre bei der Offenen Bühne Heidelberg begleitet haben: Zauberer Sascha Sperling, Poetry Slammerin Chrissi Holewik, Autorin Marina Garanin und Musiker Benedikt Lotz. Schön, dass wir mal wieder zusammengefunden haben. ❤
Mit der Tanzcrew von Sabrina Fleischhacker aus der Tanzschule „Tanzsektor“ war eine langjährige Theaterfreundin mit dabei, welche die Theatertage schon zu Zeiten des Ladentheaters am Tag der Rampensau mit fantastischen Tanzprogrammen unterstützte. Verdienterweise bestritten ihre Tänzerinnen auch das Finale der Langen Nacht. Eine Premiere auf unserer Bühne feierte Louis Berton mitsamt seiner Band. Nachdem wir seinen Auftritt im Wasserturm in Mannheim zum 30. Jübiläum des Industrietempels gesehen hatte, mussten wir ihn einfach fragen, ob er zu uns nach Heidelberg kommt. Er sagte gleich zu und überzeugte auch das Heidelberger Publikum.

Vielen Dank an das Team des Theaters im Romanischen Keller, Julius Hoderlein und Klaudia Rzezniczak, sowie an Philipp Spilger am Licht- und Tonpult.

Photos: Christian Schüll